Windows vs. Linux

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BaBa
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Windows vs. Linux

Beitrag von BaBa » 21 Sep 2015, 12:40

Windows vs. Linux

Immer wieder entfacht diese Kontoverse auf und ein Kunde fragte mich letztens,
welches System denn "besser" sei? Doch diese Frage im Kreise von Informatiker zu stellen,
kann eine Massenschlägerei auslösen :D

Ich habe mir nun die aktuelle Version von Windows (10) zur Brust genommen
und diese mit einer der populärsten Version von Linux: Ubuntu 14.04 LTS, verglichen.
Weiterhin möchte ich auf gewisse Vorurteile und Argumente von diversen Seiten eingehen.

1. Installation beider System

Die Installation beider System ist relativ simpel gehalten; jedoch finde ich persönlich,
dass das Setup von Ubuntu etwas einfacher ist.
Ich habe eine SSD als Installationsmedium genutzt, welche per USB 3.0 angeschlossen wird.
Möchte man gewisse Partitionen benutzen und Verwalten, bietet Ubuntu auch "mächtigere" Einstellmöglichkeiten,
die einen neuen Nutzer aber auch schnell überfordern können.
Wenn man bei beiden Betriebssystemen von einer neuen Festplatte ausgeht,
sind die Standard-Setups wirklich einfach und es kommt zügig zur Installation.
Der erste gravierende Unterschied kommt bei den Ersteinstellungen des Benutzer zu tragen.
Wenn man im Windows nicht einige Einstellungen verändert, so richtet man sich quasi Stasi 2.0 ein.
Auch wird der Benutzer, der schon einiger Zeit auf Windows 7 festhängt, mit ziemlich vielen Einstell-
möglichkeiten
"bombardiert", was Windows 10 am Anfang etwas komplizierter aussehen lassen könnte.
Zeitlich betrachtet, ist Ubuntu deutlich schneller fertig als Windows und auch vom Datenschutz beherrscht es ein ganz anderes Level;
der Punkt geht an Linux.

2. Der erste Kontakt

Ubuntu 14.04 LTS

Haben wir alles eingerichtet und das Passwort (sofern angelegt) richtig eingetippt, landen wir nach kurzer Zeit
schon auf dem Desktop und Linux ist betriebsbereit. Das Menü ist klar und einfach auf der linken Seite strukturiert,
was auch ein deutliches Markenzeichen von Ubuntu ist. Gut ist, dass der Benutzer gleich einen (ordentlichen) Browser,
Firefox
, nutzen kann, sowie Zugriff auf ein ordentliches Schreib- und Tabellen-Programm hat. Unten, in der Menüleiste,
befindet sich das System-Icon, wo der Benutzer nachträglich alle für sich relevanten Einstellungen vornehmen kann.
Die Menüführung sowie Anordnung der Oberpunkte ist logisch und gut nachvollziehbar.
Nach ca. 1min meldet sich auch der Auto-Updater, um noch einige Pakete nachzuinstallieren.
Alles in allen, ein sauberer und strukturierter Start. Die Maus, ext. Festplatte wurde ohne Probleme sofort erkannt.
Das Arbeitstempo ist zügig und lässt kein Meckern zu.

Windows 10

Wenn man sich erst einmal durch die Windows-Ersteinstellung durch-gewuselt hat, landet man auf dem Windows-typischen
Desktop und kann auch sofort loslegen. Was neu ist, ist eben Corona und der Browser Edge, welche ich beide für sinn-frei halte
(meine persönliche Meinung!). Auch entdecken Windows 7 Nutzer nun das neue Startmenü, was bereits in Windows 8 integriert ist.
Wenn wir nun einen Browser unserer Wahl installieren wollen, müssen wir diese Setup-EXE
per Edge besorgen, oder wir haben diese auf einem externen Datenträger.
Es ist Windows-typisch kein Schreibprogramm installiert, nur der einfache Text-, sowie Word-Editor.
Das Startmenü ist mit reichlich Apps bestückt und in einem vorkonfigurierten Windows sollte dies noch einmal so "schlimm" aussehen.
Jedoch kann man sich alles selber anpassen, was mit einer gewissen Routine auch wunderbar klappt.
Auch hier gebe ich den Punkt an Ubuntu, da dies nach dem Erststart einfach ... einsatzbereiter ist, ohne weitere Schritte zu
absolvieren. Ubuntu: 2 | Windows: 0

3. Personalisierung

Windows wie Ubuntu lassen sich beide wunderbar personalisieren. Sei es die Verwendung von frischen Theme's oder Icon's.
Durch Modder in beiden Bereichen, bleibt der Tatendrang eigentlich grenzenlos. Dafür gebe ich jeden einen Punkt. Ubuntu: 3 | Windows: 1

4. Die Installation von Vivaldi

Vivaldi ist ein Browser, der auf dem Ur-Browser Opera 12.17 basiert. Ich habe nur als Beispiel dieses Setup ausgewählt.

Ubuntu 14.04 LTS

Ich surfe die Adresse an, und stehe nun als Linux-Neuling vor der ersten Entscheidung: DEB oder RPM?
Nach einiger Suche um Netz, finde ich heraus, dass ich beide Formate verwenden kann, DEP aber einfacher ist.
Am Anfang musste ich ich die .deb - Anwendung noch über das Terminal (Console) installieren, was natürlich
für einen Neuling eine extreme Hürde ist. Wie bewege ich mit dem Terminal? Einen Ordner hoch, in einen wechseln,
ein Paket installieren, Paketliste updaten, ... und und und, ohne Vorkenntnis, kann einen das sofort die Lust an Linux nehmen!
Auch wenn ich das Software-Center genommen habe, konnte ich damit keine brauchbaren Ergebnisse erzielen.
Also: Im Netz die Befehle gesucht und alles in´s Terminal getippt und los ging es.

Deutlich einfacher geht es, wenn man sich vorher das Paket: "GDebi-Installationsanwendung" besorgt.
Somit kann ich mich auch grafisch über den Explorer dahin navigieren und per Doppelklick die Anwendung installieren.

Ist der Browser installiert, läuft er einwandfrei. Nur Flash-Videos machen Probleme.

Windows 10

Im Windows die Seite angesurft, die Installationsdatei heruntergeladen, Doppeklick auf die .exe - Datei und fertig.

Klarer Vorteil für Windows! Für jemand, der nur mit Linux gearbeitet hat, ist das kein Problem, doch ein Neuling
ist in Punkto "Einfachheit" bei Windows deutlich besser aufgehoben. Punkt an Windows: Ubuntu: 3 | Windows: 2.

5. Die Verwendung des Browsers FireFox, Vivaldi und Opera

Die Arbeitsgeschwindigkeit jedes Browser ist wirklich sehr schnell; ob und wie viel schneller als auf
dem Windows-System, ist schwierig zu sagen, da wenn überhaupt, die Unterschiede relativ gering ausfallen dürften.
Einzig und allein das Starten geht auf Ubuntu etwas zügiger.
Für die normale Verwendung gibt es keine größeren Probleme, bis auf dieses, dass ich des öfteren
unter Opera & Vivaldi Probleme mit der Darstellung von Flash-Inhalten (Ubuntu) habe.
Angemerkt sei hier jedenfalls, dass Flash sich wahrscheinlich vor seinem Ende befindet und allg. die
Entwicklung unter Linux eingestellt wurde.

Ich wollte das Browserspiel "KingsRoad" spielen, jedoch habe ich aufgrund der zu geringen Flash-Version,
es bis dato nicht geschafft, dieses zum laufen zu animieren.
Wer also doch mehr interaktive Inhalte mit Flash benutzen möchte, der wird nicht um Windows herum kommen,
oder muss eben etwas "basteln und friemeln".
Punkt an Windows: Ubuntu: 3 | Windows: 3.

6. Die Einrichtung von Steam

Da ich ja doch gern mal hier und da ein Ründchen zocke, nutze ich die Plattform Steam.
Jedoch war es nicht so, dass ich wie bei Windows; Steam herunterladen, mich einloggen und starten;
nein, auch hier gab es wieder Fehler und Abhängigkeiten-Probleme...
Wieder einmal google´n, testen und fluchen; doch nach ca. 1h habe ich es dann auch hinbekommen.
Die Ernüchterung sollte aber erst noch folgen:
Von meinen 130 Spielen, die ich in der Bibliothek habe, kann ich nicht einmal 25% nutzen.

Klar, man muss bemerkenswert feststellen, dass so ein Wert für Desktop-Nischen-Produkt wie Linux,
schon ein sensationelles Ergebnis ist; jedoch kommt man auch hier nicht um einen Windows-System herum.
Punkt an Windows: Ubuntu: 3 | Windows: 4.

F A Z I T

Ubuntu ist für jemanden, der den PC nur als Home-Office verwenden und dabei vlt. 1-2 Ründchen zocken will,
eine interessante Alternative. Jedoch SOLLTE der Drang zum lernen dabei sein, denn so alles alá: Out of the box,
klappt hier nicht. Auch wenn die Installation einfach ist, sollte der Umgang mit dem Terminal nicht gescheut werden.
Doch wenn man sich einmal in die Materie eingearbeitet hat, steht Ubuntu Windows kaum in etwas nach, im Gegenteil,
betrachtet man Datenschutz, Geschwindigkeit und Möglichkeiten, etwas an den "Stellschrauben" zu drehen,
dann ist Linux im allgemeinen die optimale Wahl!

Wenn ich mich in meinen "üblichen Kundenstamm" hinein versetze, dann bleibt Windows einfach die Nummer 1 was
Komfort und Einfachheit angeht. Dies geht natürlich mit dem neuen Windows 10 zu Lasten der Datensicherheit und Integrität.

Ich persönlich mag Linux sehr, dann man wirklich viel individualisieren kann und das System im Vergleich relativ sicher ist.
Weiterhin möchte ich gern einmal meinen "Senf" zu Seiten wie: "Warum Linux besser ist" abgeben.
Dazu nehme ich die Argumente von:
Die 5 Gründe, warum es ein großer Fehler ist, Windows 8.1 - Ubuntu vor zu ziehen.

Und werde sie mit meiner Erfahrung betrachten:

(1) Windows ist kein sicheres Betriebssystem, da es für Viren und Malware, vorzüglich geeignet ist

Das ist so nicht ganz korrekt. Klar, wenn ich ein "Hersteller" von Schadstoff-Software bin, dann entwickle ich lieber einen Virus, Trojaner, ... für ein System, was nur knapp über 1% Marktanteil im Desktop-Bereich hat; logisch, oder?
Windows ist als solches schon relativ sicher: Das Problem ist der User und die Freizügigkeiten, die Microsoft diesem einräumt (root-Benutzer).

(2) Windows-8.1 ist kein sicheres System. Es ist nicht wirklich schwer den Passwort Schutz zu umgehen, und wenn Sie eine Live-Ubuntu-System booten, haben Sie vollen Zugriff auf alle Dateien des Windows-Benutzerkontos. Das verschlüsseln der Festplatte wäre eine Lösung, aber es kostet wie alles unter Windows eine Menge Geld.

Das ist richtig zum einen, was die Umgehung des Passwort-Schutzes angeht, aber ehrlich: Ich habe einen PC im Haus, dazu meine Frau, meine Tochter und/oder Sohn im Teenager-Alter. Ich gehe davon aus, dass 99% nicht wissen, wie man dies anstellt. Genau so wenig, sitzt der Dieb am seltensten direkt vor dem PC, sondern bedient sich der Daten aus der Ferne, weil er das System schon vorher kompromittiert hat.

Den 2. Absatz halte ich für totalen Müll, um es mal wirklich harsch zu sagen, da es gerade unter Windows Tonnen an kostenloser Software gibt.
Beispiel zum Thema? Bitte schön: 17 kostenlose Truecrypt-Alternativen im Überblick

(3) Der Großteil der Anwendungen für Windows 8.1, die der „Otto-Normalbürger“ nutzt, sind nicht frei und kostenlos.

Auch dies ist natürlich absoluter Quatsch in meinen Augen. Für so gut wie jedes kostenpflichtiges Tool, gibt es mind. einen Ersatz.
Ich würde hier gern den Gedankengang wissen, den der Autor beim Verfassen gerade hatte... Ich möchte hier mal eine Aufzählung geben,
welche Software ich auf meinen Windows-System nutze:
  • VLC - Mediaplayer => Filme
  • foobar2000 => Musik-Player
  • FoxyReader => zum lesen von .pdf- Dateien
  • Thunderbird => E-Mail-Programm
  • OneDrive/DropBox => Cloud-Dienste
  • BoxCryptor => Zum verschlüsselten Ablegen der Daten in den Cloud-Diensten
  • 7-Zip => Archiv-Programm
  • Gimp => Bildbearbeitungsprogramm
  • ...
Jede der hier aufgeführten Tools ist kostenfrei aus dem Internet erhältlich. Klar bieten manche Programme wie BoxCryptor
gegen einen Aufpreis "mehr" Features an, doch für die normale Nutzung reicht dies vollkommen zu.
Weiterhin gibt es Tonnen an Software für das Brennen von Musik/Filmen, Umwandeln und Bearbeiten von Video´s/Musik/Bildern,
Verschlüsselung, Datenbackup, Datenwiederherstellung, Sicherheit, Sniffing, und und und ...

(4) Windows-8.1 ist nicht Open-Source.

Ok, dass ist richtig. Aber der Anschaffungspreis ist zum einen wirklich gering und das nächste Argument: "Jeder kann es auseinander nehmen und überprüfen, was jede Codezeile enthält" finde ich etwas... na ja... sagen wir es mal so:

Welcher normale PC-Benutzer, der vorher Windows 8.1 genutzt hat, kennt sich mit Betriebssystem-Programmierung aus?
Woher weiß er, das dass, was da steht "gut" oder "böse" ist? Woher weiß er, dass das, was gerade auf dem System stattfindet,
auch wirklich nur in seinem Interesse passiert? Klar ist die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer als auf einem Windows-System,
aber da der Nutzer sowieso 95% seiner Daten im Internet freiwillig preisgibt, ist dies Argument einfach überholt.

(5) Windows-8.1 und die Windows-Plattform im allgemeinen, habe nicht mehr das Monopol auf Gaming. Mit der Veröffentlichung von Steam für Linux, wurden hunderte von neuen Spielen für Ubuntu und Linux veröffentlicht und tausende weitere werden in den kommenden Jahren erscheinen.

Das hatten wir schon einmal... Kleine Gegenrechnung: Auf Steam gibt es laut Wikipedia[1] mehr als 4500 Spiele. Jetzt haben wir hunderte Spiele für Linux ... Rechnet selber! Wer wirklich zocken will, der kommt um Windows nicht herum.
Andernfalls sind wirklich Kenntnisse vorausgesetzt und Vorgänge müssen virtuell simuliert werden.

BITTE BEACHTEN:

Die hier geschriebenen Worte sind meine persönliche Meinung und keinesfalls ein Weg für alle.
Jeder sollte, wenn er es denn möchte, seine eigenen Erfahrungen mit Linux machen.
Jedoch finde ich pauschalisiert nicht möglich zu sagen, das dieses oder jenes System besser ist!

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